„Schade, dass ihr keine großen Größen verkauft!“
„Schön inklusiv, aber leider nicht…“
„Ihr habt überhaupt keine großen Größen! Wie blöd!“
„Ich werde euch entfolgen.“
Solche Reaktionen erhalten wir regelmäßig in unserem Postfach oder unter einem Social-Media-Beitrag. Und ich möchte gleich klarstellen: Wir haben absolut nichts gegen große Größen. Im Gegenteil, wir versuchen bewusst, bei Marken mit verschiedenen Passformen einzukaufen – damit wir sowohl kleine als auch größere Größen im Sortiment haben.
Wir geben unser Bestes, um ehrliche Fotos zu verwenden. Bei uns siehst du, wie ein Stoff fällt, wo etwas knittert oder wie eine Farbe wirklich ist – ohne Photoshop. Und weil ihr angemerkt habt, dass die Standard-Schaufensterpuppen mit Größe 34 nicht repräsentativ waren, haben wir die Hälfte durch Schaufensterpuppen mit Größe 44 ersetzt.
Aber dann kommt die Frage, die alle beschäftigt: Wo sind denn diese großen Größen?
Warum große Größen in nachhaltiger Mode rar sind
Die ehrliche Antwort: Es ist unglaublich schwierig, große(re) Größen in nachhaltiger Mode zu finden. Und das liegt nicht am mangelnden Willen, sondern oft an Kosten und Produktion.
Wer schon einmal an einer Nähmaschine gesessen hat, versteht das vielleicht sofort. Ab Größe 42/44 ändert sich ein Schnittmuster so stark, dass viel mehr Stoff benötigt wird. Manchmal fast doppelt so viel.
Für nachhaltige Marken bedeutet das nicht nur höhere Stoffkosten, sondern auch zusätzliche Kosten für die Anpassung von Schnittmustern. Und diese höheren Kosten können nicht einfach weitergegeben werden – niemand möchte, dass dasselbe Kleid plötzlich doppelt so teuer ist.
Da nachhaltige Stoffe ohnehin teurer sind und der Produktionsumfang kleiner ist als bei Fast Fashion, summieren sich diese Kosten erheblich. Große Ketten lösen dies, indem sie billige synthetische Stoffe verwenden und die Produktion in riesigem Maßstab betreiben. Kleine nachhaltige Marken können das einfach nicht.
Die schmerzliche Realität: Geld und Nachfrage
Ja, letztendlich ist es eine Geldfrage. Lieferanten, mit denen ich sprach, gaben ehrlich zu, dass die Produktion größerer Größen innerhalb ihrer kleinen Budgets und Margen oft nicht machbar ist.
Und dann kommt noch etwas hinzu: Die Nachfrage nach großen(eren) Größen ist in der Praxis geringer. Während die Kosten viel höher sind. Marken beginnen oft mit guten Absichten mit größeren Größen, stellen sie aber nach ein paar Saisons ein, weil der Verkauf die Produktionskosten nicht aufwiegt.
Und ehrlich gesagt? Das kenne ich auch. In den letzten neun Jahren habe ich große Größen immer eingekauft, aber sie blieben auffallend oft sogar im Ausverkauf hängen. Jeder Unternehmer weiß: Kleidung, die sich nicht verkauft, kostet Geld. Geld, das ich brauche, um neue Kollektionen einzukaufen, mein Team zu bezahlen und den Laden einfach am Laufen zu halten.
Was meinen wir mit „jeder ist willkommen“?
Bedeutet das, dass wir nicht inklusiv sind? Dass du mit Größe 46+ bei Natur-el nicht willkommen bist? Nein. Inklusivität geht für mich um viel mehr als nur Größen.
Ein Beispiel: Ein sechsjähriger Junge kam einmal in den Laden, um Wollhemden zu kaufen. Ich fragte ihn, welche Farbe er schön fände. Seine Antwort? „Grelles Rosa.“ Ich holte das Hemdchen gerne aus dem Regal. Seine Mutter bekam Tränen in die Augen – in anderen Geschäften hatte er oft gehört, dass Rosa „für Mädchen“ sei.
Für mich ist das Inklusivität. Dass jeder er selbst sein darf, unabhängig von Größe, Vorliebe oder Hintergrund. Dass man willkommen ist, dass die Wahl respektiert wird und dass man den Laden mit einem Lächeln verlässt.
Was Natur-el bieten kann und was nicht
Ich war nie eine Spezialistin für große Größen. Was ich wollte – und immer noch will – ist ein Geschäft mit wunderschönen nachhaltigen Kollektionen, fair produziert und mit Liebe eingekauft.
Meine Mission bleibt: einen Ort zu schaffen, an dem jeder willkommen ist. Auch wenn wir nicht immer jede Größe anbieten können, steht die Tür immer offen. Und ich höre gerne auf deine Tipps. Kennst du Marken, die gute nachhaltige große Größen haben? Lass es mich wissen, dann teile ich sie gerne.
Denn ehrlich gesagt: Es gibt noch viel zu tun. Aber willkommen warst du schon immer – und wirst es auch immer bleiben.
Liebe Grüße,
Vera