Die Wahrheit hinter grünen Labels: Wie nachhaltig sind Gütesiegel wirklich?
Teil 1: (Bio-)Baumwolle
Wer schon einmal ein sogenanntes „nachhaltiges“ Kleidungsstück gekauft hat, weiß: Heutzutage hat fast alles ein grünes Etikett. Aber sagt ein solches Gütesiegel wirklich etwas über die Nachhaltigkeit Ihrer Kleidung aus? Und wie wissen Sie, ob es mehr ist als nur ein grüner Anstrich? In dieser Blogserie tauchen wir gemeinsam mit Ihnen in die Welt der Gütesiegel ein und beginnen mit (Bio-)Baumwolle.
Was genau ist ein Gütesiegel eigentlich?
Gütesiegel sind Labels oder Zertifizierungen, die angeblich etwas darüber aussagen, wie ein Produkt hergestellt wird: fair, umweltfreundlich, tierfreundlich, was auch immer. Aber... nicht jedes Gütesiegel ist gleich. Einige sind streng und transparent, andere sind vor allem sehr geschickt gewählt und nichts weiter als gewöhnliche Marketing-Sprüche. (Und ja, dazu habe ich eine Meinung....)
Gütesiegel für (Bio-)Baumwolle: ein Überblick
Bei Baumwollkleidung sehen Sie oft diese Gütesiegel:
- GOTS (Global Organic Textile Standard): Strengstes Gütesiegel. GOTS betrachtet alle Schritte: vom Anbau der Bio-Baumwolle bis zu den Arbeitsbedingungen in der Fabrik. Dieses Gütesiegel bevorzugen wir.
- OCS (Organic Content Standard): Prüft nur, ob die Baumwolle biologisch ist, sagt aber nichts über den Rest des Prozesses oder die Menschen, die sie herstellen. Deutlich weniger zuverlässig also.
- Better Cotton Initiative (BCI): Klingt gut, ist aber eigentlich nur ein kleiner Schritt besser als normale Baumwolle. Es wird immer noch mit Pestiziden gearbeitet und die Arbeitsbedingungen sind oft nicht transparent.
- OEKO-TEX Standard 100: Dies sagt nichts über den ökologischen Anbau aus, aber dass das Endprodukt keine schädlichen Substanzen für Ihre Haut enthält. Gut für Sie also, aber nicht unbedingt gut für die Erde.
Unsere Entscheidungen
Bei Natur-el wählen wir bewusst Marken, die mit GOTS-zertifizierter Baumwolle arbeiten oder transparent über ihre Lieferkette sind. Wir vermeiden Kleidung mit vagen oder verwirrenden Labels – auch wenn sie „öko“ oder „grün“ rufen. Denn eine grüne Farbe macht noch kein nachhaltiges Produkt. Das haben wir in all den Jahren (leider) gelernt...
Wie erkennt man Greenwashing als Verbraucher?
Wir geben es sofort zu, es ist nicht supereinfach. Aber um Ihnen ein wenig auf die Sprünge zu helfen, haben wir hier ein paar schöne Tipps für Sie.
Achten Sie beim (nachhaltigen) Einkaufen auf Begriffe wie „natürlich“, „umweltfreundlich“ oder „umweltbewusst“ OHNE ein klares Gütesiegel. Es klingt oft alles schöner, als es ist. Ein nachhaltiges T-Shirt für ein paar Euro: Das ist überhaupt nicht möglich, auch wenn das Etikett noch so verantwortungsvoll aussieht... Und sehen Sie nur OEKO-TEX100 oder BCI? Dann seien Sie (sehr!) kritisch. Es ist keine Katastrophe, aber auch nicht wirklich grün. Fragen Sie sich vor allem: Wer profitiert davon – Sie oder die Marke selbst?
Unten haben wir eine schöne Übersicht für Sie erstellt, in der Sie genau sehen können, welche Anforderungen ein Gütesiegel erfüllt und welche nicht. Damit Sie, gut informiert, Ihre Wahl treffen können! Gern geschehen :-)

*BCI verwendet oft konventionelle Baumwolle, ermutigt aber Landwirte, „besser“ zu arbeiten – ohne dass es wirklich biologisch ist.
Und ja, auch wir lernen jeden Tag dazu.
Denn wenn ich mir die obige Übersicht ansehe, muss ich auch schlucken. Denn ja, auch unsere Lieferanten haben manchmal nicht die allerbesten Zertifikate. Es stellt sich heraus, dass eine Baumwolle doch nicht vollständig GOTS-zertifiziert ist oder die Wolle nicht vollständig biologisch ist. Die Kunst ist, neben kritisch auch mild zu sein. Denn was macht eine Marke sonst noch? Sind 90% der Kollektion nachhaltig, aber diesem einen Artikel fehlt nur das Zertifikat? Dafür gibt es meist einen sehr guten Grund. Fragen stellen hilft; welche Wahl treffen sie und warum. Auch wir entscheiden uns manchmal für einen Artikel, der nicht zu 100% nachvollziehbar ist. Wir könnten darüber heimlich und intransparent sein, oder wir fragen den Lieferanten nach der Geschichte dahinter und schämen uns nicht, sie EUCH auch zu erzählen. Niemand kann immer alles zu 100% richtig machen, aber man kann sein Bestes geben: und das beginnt mit einem ehrlichen Etikett und nicht einfach nur zu behaupten, dass etwas nachhaltig ist, während es hinter den Kulissen heimlich nur Unsinn ist.
Mehr wissen?
In den kommenden Wochen werden wir auch die Gütesiegel für andere nachhaltige Materialien erläutern, die Sie bei uns finden. So wissen Sie genau, worauf Sie achten müssen.
Haben Sie Fragen? Fragen Sie uns einfach – wir teilen unser Wissen gerne!
Liebe Grüße,
Vera
P.S. Wussten Sie, dass Sie bei uns heutzutage nach Gütesiegeln filtern können?